Geister
Geister gibt es in Thailand überall. Beinahe zu jedem Haus
gehört ein Geisterhäuschen, welches den Geistern zur
Verfügung gestellt wird, die das Gelände bewohnt
haben, bevor das Haus gebaut wurde. Zur Errichtung dieser
Geisterhäuschen sind aber exakte Regeln zu beachten. Bei deren
Missachtung können sie unter Umständen grosses
Unglück auslösen .
In den Geisterhäuschen werden regelmässig Opfergaben
wie Reis, Früchte, Süssigkeiten oder Trinkwasser
abgelegt, die die Geister besänftigen sollen. Diese
Geisterdomizile können sich von der Art und dem Aussehen enorm
unterscheiden. Da gibt es beispielsweise kleine,
Vogelhaus-ähnliche Konstruktionen bis zum üppigen,
blumenüberstreuten Schrein vor Banken, Hotels und
Shopping-Centers, welche gelegentlich grösser sind als manche
menschliche Behausung.
Der Aberglaube ist in der thailändischen Bevölkerung
zum Teil tief verwurzelt. Hier sind einige Beispiele beschrieben:
Niemals sollten an einem Mittwoch grössere Unternehmungen, wie
längere Reisen oder Wohnungsumzüge begonnen werden.
Selbst das Haareschneiden an diesem Tag könnte
Unglück bringen. Deshalb bleiben dann viele
Coiffeurgeschäfte, vor allem in den ländlichen
Gebieten, mittwochs geschlossen.
Man sollte nie auf eine Schwelle eines Hauses treten, sondern immer
darüber hinweg. Ansonsten würden die Geister
verstört, welche im Hause wohnen.
Schwangere Frauen sollten nicht auf der Türschwelle sitzen,
das hätte nämlich eine schwierige Geburt zur Folge.
Schwangere, welche mit einem grossen Löffel essen, bekommen
Kinder mit einem hässlichen, grossen Mund. Während
der Schwangerschaft sollte die Frau niemals Kinder als
hässlich bezeichnen, weil sie dann womöglich selber
ein unansehnliches Kind zur Welt bringen würde. Um eine Geburt
ohne Beschwerden zu gewährleisten, sollte die Frau unter dem
Bauch eines Elefanten kriechen. Aus diesem Grunde sieht man selbst in
der Grossstadt Bangkok Elefantentreiber, die gegen ein Entgelt
Schwangere unter ihren Dickhäutern kriechen lassen.
Die Tochter des Hauses darf beim Kochen niemals singen. Ansonsten
bekommt sie später einen Ehemann, welcher deutlich
älter ist als sie.
Man sollte niemals beim Essen im Familienkreise gleichzeitig
aufhören, weil man sonst gemeinsam sterben muss.
Wenn Glühwürmchen ins Haus fliegen, werden bald
Gäste eintreffen.
Wenn jemand aus dem Hause geht und gleichzeitig ein Gecko zu rufen
beginnt, so sollte er sein Unterfangen besser auf einen
späteren Zeitpunkt verschieben. Denn es könnte ihm
ein Unheil widerfahren.
Bei der Hochzeitsfeier darf unter keinen Umständen Geschirr
kaputt gehen, andernfalls endet die Ehe mit Sicherheit in einer
Scheidung.
In der Hochzeitsnacht versucht jeder Ehepartner als letzter
einzuschlafen. Denn derjenige, der zuletzt einschläft, wird
auch als letzter sterben.
Fegt jemand nachts die Wohnung, darf der Schmutz zwar zusammengekehrt
werden, sollte aber nicht aus dem Haus geworfen werden. Ansonsten wird
das Geld nie lange im Hause bleiben.
Man darf niemals ein Dokument mit einem roten Stift unterschreiben! Rot
ist die Farbe des Blutes, und Bestattungsunternehmen schreiben den
Namen des Verstorbenen ebenfalls in roter Farbe an den Sarg. Wer
dennoch mit Rot unterschreibt, unterzeichnet sein eigenes Todesurteil.
Ausserdem sollten Briefe ebenfalls nie in roter Farbe geschrieben und
adressiert werden.
Niemals sollte man unter Wäscheleinen hindurchkriechen, und
schon gar nicht, wenn daran Unterwäsche hängt. Weil
der Kopf der höchste Körperteil ist, würde
er dadurch entweiht. Die Folge wäre ein Unglück.
Trägt jemand ein magisches Amulett, so würde dies um
seine Kraft gebracht.
Frauen, deren Brüste gerade nach vorne zeigen, sind
"Gattenfresserinnen". Ihnen werden die Ehemänner mit
Sicherheit wegsterben.
Im Ehebett hat die Frau immer an der linken Seite des Mannes zu
schlafen. Nicht, weil das etwa die schlechtere Seite wäre,
sondern weil in früheren Zeiten oft Gefahr drohte und somit
musste die rechte Hand des Mannes frei sein zum Griff zur Waffe.
Wenn manche Pflanzen oder Obstbäume an der falschen Stelle im
Garten gepflanzt werden, bringen sie Unheil. Beispielsweise muss die
Jackfruit hinter dem Haus wachsen, überall anders
brächte sie Unglück.
Quelle:
Kalaya Meyer, Traveller-Buch "Kulturschock Thailand" von Rainer Krack
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